Analysen – Argumente – Interventionen

Klaus Schönberger

Armselige Debatte um Danger Dan und Igor Levit

Man reibt sich die Augen und fragt sich, ob es je einen Text gab, der so viel intellektuelle Insolvenz auf so wenig Anlass verteilt hat. Ein Lied – ein einziges Lied – und schon öffnen sich die Schleusen des Feuilletons, aus denen der aufgestaute Schwachsinn einer ganzen Kommentator:innenklasse quillt, als hätte man nur auf den Vorwand gewartet, endlich alles auf einmal misszuverstehen.
Die einen legen ästhetische Kriterien an, als ginge es um einen Kompositionswettbewerb, und nicht um die schlichte Frage, ob man Faschisten die Straße überlässt oder nicht. Rührend, dieser Glaube, der gute Geschmack sei je ein Bollwerk gegen irgendetwas gewesen.
Die Zweiten verwechseln die Herstellung von Hegemonie mit der Notwendigkeit, faschistische Gewalt abzuwehren – ein Kategorienfehler von solcher Reinheit, dass man ihn fast bewundern möchte, hätte er nicht so ekelhaft bequeme Konsequenzen.
Die Dritten fordern Vertrauen in Staatsschutz und Polizeiapparat und halten die Kritik daran allen Ernstes für eine Absage an das staatliche Gewaltmonopol – so, als wäre der einzig denkbare Einwand gegen einen Wachhund die Abschaffung des Gartens.
Und dann Florian Klenk, der Antifagruppen an seinem eigenen, sorgsam auf ZK-Chefredakteursformat zurechtgestutzten Horizont misst und nicht bemerkt, wie klein derselb ist – einer, der sich noch wird umschauen müssen, was in diesem Land (Österreich) alles möglich ist, und der dann feststellen wird, dass sein Leitartikel keine Schutzwirkung entfaltet.
Es sind die Ratschläge von Leuten, die nie einen Fuß in eine soziale Bewegung gesetzt haben, sie sich nur aus sicherer Entfernung als Kulisse ihrer Selbstinszenierung und Abgrenzungsbedürfnisse ausborgen. Sie imaginieren sich als Linke und enden als das, was sie im Grunde immer waren: als Tiger der Zivilgesellschaft gesprungen, als ihr Bettvorleger gelandet – flach, gemustert, dekorativ, und zu nichts mehr gut, als daran die Füße abzutreten.

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