Analysen – Argumente – Interventionen

Klaus Schönberger

Partisanendämmerung

Großes Kino war das heute Abend im Wiener Gartenbaukino. Der Film „Mila / Marija“ von Andrina Mračnikar (Österreich, Slowenien, Griechenland 2026, 115 min, OmdU & OmeU) wurde im Rahmen der Viennale in Österreich uraufgeführt. Natürlich ist dieses phantastische Kino ein optimaler Rahmen für die Projektion eines solchen Films. Der Saal war ausverkauft und die Vergabe von Warteplätzen wurde eine halbe Stunde vor Beginn beendet. Man hat natürlich viele Gesichter aus Kärnten/Koroška gesehen, die, wie ich, nicht bis zum Kinostart warten wollten.

Copyright: Amour Fou/Vertigo/Indigo

Copyright: Amour Fou/Vertigo/Indigo

Der Film hat mehrere Vorzüge. Erstens eine überzeugende schauspielerische Leistung. Insbesondere die Hauptdarstellerin Doroteja Nadrah wurde /hat sich beeindruckend in Szene gesetzt und wusste all die Zweifel, Ängste und Unsicherheiten der Kärntner Partisan:innen glaubhaft zu verkörpern. Das wurde insbesondere von der sehr großen Kino-Leinwand des Gartenbaukinos unterstützt.

Zweitens: Gutes Kino zeichnet sich dadurch aus, dass es bei derlei Stoffen, bei denen das Publikum gerne parteilich sein möchte, die Widersprüche, denen sich die historischen Subjekte ausgesetzt sahen, nachvollziehbar macht. Es geht in diesem Film eben nicht um Partisan:innen-Verehrung. Denn diejenigen, die sich entschieden hatten (oder gezwungen waren), in den Wald zu gehen, konnten allzu oft gar keine Held:innen sein, weil die Verhältnisse es nicht vorsahen. Beeindruckend, wie einer der Protagonisten erklärte: „Ich brauche niemanden, der mir sagt, was ich denken muss, ich will den Krieg überleben.“ Sehr viele Details und Einzelheiten, die hier aufschienen, sind auf der Höhe des „Forschungsstandes“. Die katholische und gottesfürchtige Dimension des Widerstands der Kärntner Slowen:inen äußert sich bereits in der Wahl des Decknamens Marija von Mila.

Besonders stark und zugleich auch informativ (weil das gerne vergessen wird) war der Teil des Films, der die unmittelbare Zeit nach 1945 zeigte, nämlich die Re-Nazifizierung Kärntens und den Verrat der britischen Besatzungsmacht, die die Kärntner Slowen:innen den Alt- und Noch-Nazis wieder auslieferte. Ich hoffe, dass die in Planung befindliche historische Darstellung der im Film gezeigten Demonstration von 1946 (von einer Kollegin) bald erscheinen wird. Das Skandalöse an den Kärntner Verhältnissen ist aus heutiger Sicht nicht nur die Verschleppung der fast 1000 Kärntner:innen von 1943, die repressive Germanisierung (insbesondere auch mit Täter:innen aus meinem Fach), sondern zugleich auch die Nicht-Erinnerung, die Vertuschung und Verschleierung, die quasi vor der Wörtherseefilm-Kulisse zur deutschkärntnerischen Kulturtechnik geworden ist sowie die Täter-Opfer-Umkehr wie sie immer noch am Klagenfurter Domplatz unwidersprochen zu sehen ist.
Eine wichtige Ansage war gleich zu Beginn die Danksagung der Filmproduktion bei den Peršmanhof-Aktivist:innen und dem Verein Društvo/Verein Peršman angesichts des letztjährigen Überfalls durch die Kärntner Polizei.

Dieser Film hat das Format, das Vergessen und Verdrängen zu unterlaufen. Viel Glück und Chapeau Andrina Mračnikar und Team.

Weitere Schauspieler:innen sind Oskar Haag, Edita Malovčić, Marko Mandić:

Im Rahmen der Viennale gibit es am kommenden Samstag, 31.10.2026, 14.30 Uhr im Stadtkino im Künstlerhaus noch eine Möglichkeit, den Film zeitnah anzusehen. Der Kinostart ist am 15. Januar, Für ungeduldige Kärtner:innen wird es in Koroška beim k3-Festival von Fritz Hock Anfang Dezember in Villach/Bejak eine erste Projektion geben (Dort wurde das Filmprojekt 2024 erstmals öffentlich präsentiert)..

Eine Antwort zu „Miha/Marija“

  1. Avatar von HANS-WOLFGANG GUGGENHEIM
    HANS-WOLFGANG GUGGENHEIM

    Scheint mir ein interessanter Film zu sein. Leider werde ich ihn vermutlich nie sehen können.

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