Analysen – Argumente – Interventionen

Klaus Schönberger

Ernst Blochs Aktualität im Kampf gegen die Faschisierung

Alex Demirović referiert im Theorie-Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung über Ernst Blochs 1935 erstmals erschienene Schrift „Erbschaft dieser Zeit“.

Das Buch entwickelt einige Überlegungen zur Kategorie der Ungleichzeitigkeit; berühmt geworden ist die Formel von der „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“. Grob umrissen geht es um die Auslassungen und blinden Flecken der Linken und Antifaschist:innen der Weimarer Republik.

Bloch weist darauf hin, dass die Linke und die Parteien der Arbeiter:innenbewegung es versäumt haben, eigene Bilder und Mythen zu schaffen. Sieht man einmal von Willi Münzenbergs Arbeiter-Illustrierter-Zeitung (AIZ) ab, wurde der Kampf um die Affekte und Emotionen gar nicht erst geführt – man überließ ihn der Arbeiter:innenvereinskultur.

Genau darum geht es auch gegenwärtig: um die Rekonstruktion einer antifaschistischen Theorie, die die blinden Flecken „der“ Linken angeht, und um die Begründung einer Politik der Affekte im Kampf gegen die aktuelle Faschisierung.

Lohnend hierfür, der erwähnte Theorie-Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung:

„Warum lassen sich Menschen von autoritären Bewegungen begeistern? Welche Rolle spielen Mythen und Hoffnungen dabei? Und weshalb greift eine rein ökonomische Erklärung gesellschaftlicher Krisen oftmals zu kurz?
In „Erbschaft dieser Zeit“ (1935) versucht Ernst Bloch, den Aufstieg des Nationalsozialismus zu verstehen. Seine zentrale These lautet: Menschen leben zwar zeitlich gesehen in derselben Gegenwart, haben jedoch unterschiedlichen Zugang zu Fortschrittsprozessen. Ein Phänomen, das Bloch „Ungleichzeitigkeit“ nennt.
Damit kritisiert Bloch auch einen Marxismus, der kulturelle und emotionale Bedürfnisse unterschätzt. Denn wer Hoffnungen, Mythen und den Wunsch nach Gemeinschaft ignoriere, überlasse sie den Rechten.
Die Vergangenheit will Bloch nicht nur als Ballast verstehen, sondern als „Erbschaft“: Sie enthalte unerfüllte Hoffnungen und utopische Bedürfnisse, die für eine progressive Politik wieder aktiviert werden können.“


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