„Antifašizpeomm etnuid si amokritiko“ – Interview mit Novice.at
Ana Grilc hat ein langes Interview in der slowenischsprachigen Wochenzeitung Novice (11.7.2026) mit mir gemacht, in dem es um die von mir mit zu verantwortenden Theaterstücke „Šteinacher – Hamsuchung“ und „Lei Lossn“, um die Kämpfe um Erinnerung in Kärnten / Koroška, Antifaschismus usw. sowie um meine akademischen Forschungsprojekte geht:
Das Interview ist allerdings nicht online verfügbar, es wurde auf deutsch geführt und ins Slowenische übersetzt. Die folgende Zusammenfassung wiederum stammt von Nikolaj Orasche:
Der Kulturanthropologe Klaus Schönberger, bis 2026 Professor für Kulturanalyse an der Universität Klagenfurt, beschäftigt sich in Forschung und Kunst mit Erinnerungskultur, Nationalismus und der Geschichte Kärntens. In seinem neuen Theaterstück „Lei lossn oder letzte Generation der Kärntner Seele?“ thematisiert er die Frage, warum bestimmte Aspekte der Kärntner Vergangenheit – insbesondere die Mitverantwortung für den Nationalsozialismus – bis heute verdrängt werden. Die satirisch-mythologische Inszenierung basiert auf einem Forschungsprojekt zur Erinnerungskultur und untersucht Mechanismen der Schuldabwehr und Selbsttäuschung.
Schönberger sieht Ursprungsmythen als Instrumente zur Herstellung von Legitimität. Sie dienten nicht nur der Identitätsstiftung, sondern auch der Absicherung politischer Macht und nationalistischer Ideologien. Solche Mythen ermöglichten es, territoriale Ansprüche und hegemoniale Positionen zu rechtfertigen.
Mit seinen Theaterarbeiten möchte er wissenschaftliche Erkenntnisse einem breiteren Publikum zugänglich machen und etablierte Geschichtsbilder hinterfragen. Besonders wichtig ist ihm eine differenziertere Darstellung der Kärntner Geschichte und der Ausgrenzung der Kärntner Sloweninnen und Slowenen. Die Ideologie des Deutschnationalismus habe das Land in die Katastrophe geführt, ihre Auswirkungen seien jedoch bis heute nicht ausreichend aufgearbeitet.
In seiner früheren Produktion über den deutschnationalen Politiker Hans Steinacher setzte sich Schönberger kritisch mit einer zentralen Figur des Kärntner „Abwehrkampf“-Narrativs auseinander. Steinacher werde bis heute von bestimmten Kreisen als Held verehrt, obwohl seine Biografie auch terroristische Aktivitäten und politische Gewalt in Deutschland umfasst habe. Schönberger kritisiert, dass diese Aspekte lange Zeit ausgeblendet wurden und fordert eine umfassendere historische Einordnung.
Aktuell forscht er zur Wahrnehmung von Sprachen im Alpen-Adria-Raum des 19. Jahrhunderts. Damals seien sprachliche Unterschiede weniger national als sozial interpretiert worden. Deutsch galt als Sprache der gesellschaftlichen Eliten, während Slowenisch und Italienisch vor allem mit ärmeren Bevölkerungsschichten verbunden wurden. Diese Hierarchisierung habe Diskriminierung und soziale Ausgrenzung begünstigt.
Für die Kärntner Sloweninnen und Slowenen habe sich die Situation im Laufe des 20. Jahrhunderts verändert. Die Gründung des Slowenischen Gymnasiums 1957 habe wesentlich zum sozialen Aufstieg beigetragen. Dadurch verbesserten sich zwar die Bildungs- und Berufschancen der Minderheit, das gesellschaftliche Ansehen der slowenischen Sprache stieg jedoch nicht automatisch im gleichen Ausmaß.
Zur Erinnerungskultur in Kärnten bemerkt Schönberger, dass diese stark auf Denkmäler fokussiert sei. Konflikte entstünden insbesondere dort, wo durch Denkmäler historisch fragwürdige oder politisch problematische Narrative reproduziert würden. Er plädiert für einen „agonistischen“ Umgang mit Gedenkorten, der nicht auf Zerstörung, sondern auf kritische künstlerische Auseinandersetzung und zusätzliche Kontextualisierung setzt.
Im Hinblick auf den aktuellen Rechtsextremismus sieht Schönberger die Ursachen in gesellschaftlichen Entwicklungen, sozialen Unsicherheiten und Ohnmachtsgefühlen. Elemente rechtsextremer Ideologien seien mittlerweile bis in die gesellschaftliche Mitte vorgedrungen. Antifaschismus müsse deshalb die Bedingungen analysieren, die eine Faschisierung der Gesellschaft fördern, und neue Formen politischer Bildung sowie neue Strategien des Widerstands entwickeln. Dabei sei Selbstkritik unverzichtbar.
Sein eigenes antifaschistisches Engagement versteht Schönberger als Beitrag zur Stärkung jener Menschen, die ähnliche Positionen vertreten, diese jedoch aus unterschiedlichen Gründen nicht öffentlich äußern können. Aufgrund seiner privilegierten Position als Wissenschaftler sieht er es als Verantwortung an, andere zu ermutigen und Räume für kritisches Denken zu schaffen.
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